Tauben von Russland
Quelle: Aus dem Buch «Tauben von Russland» von Podgorny Boris u. Senchenko Yuri Petrovich. Herausgeber I. Platonov, 17.4.1998. Nachfolgend ist das Kapitel «Fütterung von Tauben» abgedruckt.
Die richtige oder, wie man sagt, rationelle Fütterung ist entscheidend für die Lebensaktivität von Tauben, ihre Gesundheit, ihr Wachstum, ihre Entwicklung und die Entfaltung ihrer natürlichen Fähigkeiten. Das Konzept der richtigen Fütterung umfasst die vernünftige Festlegung des Futterplans, d.h. die Auswahl der Futtermittel für den Tag, die Menge des Futters pro Tag, die Menge des Futters pro Taube, die Zeit und Häufigkeit sowie der Ort der Fütterung. Einfach ausgedrückt, sollte die Fragen beantwortet werden, womit füttern wir sie, wie viel Futter geben wir ihnen, wann und wo füttern wir sie, damit die Tauben gesund und kräftig sind, gute Nachkommen haben und gut fliegen.
Es sei gesagt, dass Fragen zur Fütterung von Tauben ausführlich in der Tauben-literatur behandelt werden. Hier versuchen wir jedoch, angehenden Taubenzüchter die notwendigsten Informationen zur Fütterung ihrer meist einfachen Tauben zu geben. Dabei sei angemerkt, dass je anspruchsvoller und empfindlicher der Vogel ist, desto höhere Anforderung stellt er an das Futter, und desto besser und umfangreicher sollten die Kenntnisse des Taubenzüchter über das Futter sein.
Womit füttern wir sie ? Das Hauptfutter für die Tauben besteht aus Getreide: Gerste, Weizen, Hafer, Mais, Hirse, Erbsen, Linsen, Wicke usw.
Das beste unter ihnen ist Gerste, da es für den Taubenkörper notwendige Nähr- stoffe (Eiweiss, Fette und Kohlenhydrate) in einer guten Kombination enthält. Daher sollte Gerste im Futterplan eine zentrale Rolle spielen. Es sei jedoch an-gemerkt, dass Tauben Gerste nicht gerne fressen und, wenn es schmackhafteres Getreide gibt, die Gerste liegen lassen oder aus dem Futtertrögen werfen. Daher glauben viele Taubenzüchter, dass Tauben keine Gerste fressen und schliessen sie aus dem Futterplan aus. Das ist eine tiefgreifende Fehleinschätzung. Man muss die Tauben an die Gerste gewöhnen und das ist einfach: Man muss den Tauben erst wieder Futter geben, wenn sie alle Gerste gefressen haben, und dann werden sie die Gerste gerne picken.
Weizen gilt als gutes Futter, und viele Taubenzüchter, besonders im Süden, bevorzugen ihn gegenüber anderen Getreide. Im Allgemeinen ist das richtig, aber dann wird empfohlen, nicht ausschliesslich Weizen zu füttern. Die Tauben werden schnell fett, schwer, träge und können Fett - Eier legen, besonders wenn sie über-füttert werden. Daher ist es besser, Weizen im Verhältnis 1:3 mit Gerste zu mischen d. h. auf ein Teil Weizen drei Teile Gerste zu geben. Diese Getreide-mischung kann für einfache Flugtauben als Basis angesehen werden.
Zu dieser Mischung ist es gut, weiteres Getreide hinzuzufügen, das dem Tauben-züchter zur Verfügung steht. Dieses Zusatzgetreide sollte jedoch unter Berück-sichtigung der Jahreszeit und des physiologischen Zustands erfolgen. Im Herbst - Winter Zeitraum (Oktober - März) sollte Hafer, Mais und Erbsen hinzugefügt werden, im Frühling - Sommer - Zeitraum Hirse, Wicke und Linsen.
Samen von Ölfrüchten wie Raps, Leinsamen und Sonnenblumenkerne sind eine Delikatesse, die von den Tauben sehr gerne gefressen werden, aber sie sollten in kleiner Menge (30 - 40g für 15 Paare 2 - 3 Mal pro Woche gefüttert werden und das hauptsächlich während der Mauser - Zeit.
Körner wie Buchweizen, Reis und Hirse fressen die Tauben auch, aber es wird nicht empfohlen, sie ständig zu füttern, besonders nicht nur eine Art. Bei Bedarf können sie dem Getreide hinzugefügt und als Futter verwendet werden. Tauben picken gerne Unkrautsamen, wenn sie auf den Boden fallen, aber diese können natürlich nicht als Hauptfutter dienen. Roggen sollte nicht gegeben werden, da er bei Tauben Durchfall verursacht. Am besten eignet sich Getreide aus der Vorjahresernte, frisches Getreide sollte nicht gegeben werden. Man sollte kein schimmeliges, muffiges Getreide und vor allem nicht mit Chemikalien behandeltes Futter geben, da dies zu Vergiftungen und zum Tod der Tauben führen kann.
Es gibt viele Rezepte für Futtermischungen.
Hier ist ein Beispiel für eine Zusammensetzung, die N.A: Wassiljew (1971) empfiehlt. Im Winter 40 % Gerste, 40% geschälter Hafer, 10% Mais
Im Frühling - Sommerzeit 20% Gerste, 10% Weizen, 10% Mais, 20 % Erbsen, 10% Wicke, 20% Hirse.
Neben Getreidefutter sollten Tauben auch Grünfutter und Mineralienzusätze erhalten. Grünfutter ist eine Quelle für den Taubenkörper um die notwendigen Vitaminen und Mikroelementen zuzuführen. Als solches Futter dienen fein gehackte Karotten, Kohl, Frühlingszwiebeln, Radieschenblätter, Spinat, Salat, Vogelmiere, Löwenzahn. Klee und andere Kräuter.
Im Winter ist es sehr nützlich, Tauben mit gekeimtem Hafer und Gerste zu füttern, indem man diese in Kisten aussät, sowie mit im Zimmer gezogenen Zwiebeln und Radieschenblättern (es ist nicht schwierig, dies zu tun und es bringt grossen Nutzen). Im Sommer ist es wünschenswert, verschiedene Kulturen zu unt-erschiedlichern Zeiten auszusäen, Damit die Tauben den ganzen Sommer und Herbst über Grünfutter erhalten. Das Grünfutter sollte frisch gegeben werden, da welkes Futter von Tauben nicht gefressen wird. Wenn Tauben die Möglichkeit haben auf den Boden (Gras oder Erde) zu gelangen, entfällt die Notwendigkeit, Grünfutter zu geben, da sie dann selbständig das nötige Grünfutter suchen.
Mineralzusätze sind für Tauben notwendig, um Knochen , Federn, Eierschalen zu bilden und sie helfen beim Zerkleinern und Verdauen des Getreidefutters. Solche Zusätze sind grober Flusssand mit Kies und Muschelkalk, zerkleinerte Ziegel (wir nenne das rote Steine) Kreide, alter Putz, Lehm, Knochenmehl und Eierschalen (zerkleinerte und zuvor abgekocht). Diese können separat oder in eine Mischung gegeben werden. Sie werden mit Wasser übergossen und aus einer solchen Masse werden Klumpen oder Würste gemacht, die dann im Ofen oder an der Sonne getrocknet und an einem trockenen Ort aufbewahrt werden. Bei Bedarf werden sie in zerkleinerter Form im separaten Behältern (Kisten oder Gläsern) den Tauben gegeben. Mineralzusätze sollten ständig gegeben werden, besonders wichtig ist dies jedoch im Winter und bei Volierenhaltung von Tauben; bei freier Haltung im Sommer finden die Tauben alles Notwendige selbst, und es ist nicht erforderlich, ihnen Mineralzusätze zu geben.
Soll man den Tauben Salz geben ? Diese Frage hat keine eindeutige Antwort. In allen Büchern über Tauben wird empfohlen, Salz zu geben. Tauben picken Salz sehr gern und gierig (wie alles Salzige). Viele Taubenzüchter halten ständig Salz im Taubenschlag oder mischen es mit Erde und Mineralzusätze. Allerdings zeigen neue Studien die Schädlichkeit von Salz für Tiere (und Mensch). Versuchsratten, denen über längere Zeit eine sehr schwache Salzlösung gegeben wurde, entwickelten Herz - Kreislauf - Erkrankungen. Daher sollte man Salz mit grosser Vorsicht behandeln und es besser nicht geben. Tauben sollten täglich frisches Trinkwasser bekommen, an heissen Tagen sogar zweimal täglich, wobei jedes Mal das übrig gebliebene Wasser weg geschüttet und durch frisches ersetzt wird. Am besten ist sauberes Regenwasser, dann Flusswasser aus der Wasserleitung und an letzter Stelle steht Brunnenwasser, das mit besonderer Vorsicht gegeben werden sollte, da es schädliche Stoffe für die Gesundheit der Tauben enthalten kann. Ausserdem sollte man im Sommer kein kaltes Wasser geben, sondern erst, nachdem es etwas gestanden und sich auf 10 -15°C erwärmt hat. Anderfalls können Tauben, die bei Hitze kaltes Wasser trinken, sich erkälten und krank werden. Verschmutztes Regenwasser sollte man absetzen und dann desinfizieren, in den man eine Pantozid - Tablette (1 Tablette 0,12g auf 0,5 - 0,75 l Wasser) hineinlegen. Wasser aus der Wasserleitung ist in der Regel chloriert, daher sollte es nicht sofort gegeben werden, sondern in einem offenen Behälter aufbewahrt werden, damit das Chlor, das für dir Gesundheit der Taube schädlich ist, entweichen kann. Zur Vorbeugung von Darmerkrankungen ist im Sommer von April bis November sehr nützlich, etwas Eisensulfat (ein Stück in der Grösse einer Haselnuss auf 1 l. Wasser zu geben.
Walter Stettler CH Binningen www.flugtippler.ch
»Fenster schliessen«
|